Restaurierung Silbermannorgel

Restaurierung und historische Überarbeitung
der Silbermann-Orgel in Meißenheim

Die Meißenheimer Orgel wurde im Jahr 1776 vom Straßburger Orgelbauer Johann-Andreas Silbermann fertiggestellt. Mit Blick auf das 250-järhige Jubiläum im Jahr 2026 soll das Instrument restauratorisch überarbeitet und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen an den Originalzustand herangeführt werden.

Es handelt sich bei der Meißenheimer Silbermann-Orgel um ein Instrument von nationaler Bedeutung.

Herausragend ist der vorhandene originale Bestand: Rund 2/3 des Pfeifenwerks stammt original von Silbermann, darüber hinaus Gehäuse und Windladen, sodass der gemittelte Originalbestand auf 72 % festgestellt wird. Darunter befinden sich einzelne Pfeifenbestände, die für die Silbermannforschung zu einer Erweiterung der wissenschaftlichen Erkenntnisse führt.

Bedeutsam ist aber auch die vorhandene Erweiterung um ein zweites Manualwerk, das im Jahr 1962 von der Firma Mühleisen/Strasbourg im Geiste der Orgelbewegung Albert Schweitzers und in einer für den damaligen Stand der Silbermann-Forschung herausragenden qualitativen Arbeit als Ergänzung hergestellt wurde. Auch dieser Teil des Instruments ist von zeitgeschichtlicher Bedeutung und soll daher für die Nachwelt erhalten werden.

Besonders am Meißenheimer Gesamtensemble ist aber auch, dass Silbermann für eine damals neue barocke Kirche gebaut hat und somit auch eine stilistische Einheit zwichen Raum und Instrument besteht, und dass die Orgel an ihrem originalen Platz steht.

Das vorliegende Sanierungskonzept wurde in Abstimmung mit den Orgelsachverständigen der Landeskirche Herrn Dr. Martin Kares, Kantor Herbert Deininger und dem Orgel-Beauftragten Herrn Prof. Michael Kaufmann erarbeitet. Nach Ausschreibung und Bewertung der Angebote ist vorgesehen, den Auftrag nach Abstimmung mit den Denkmalbehörden und nach Bewilligung von Zuschüssen an die Firma Schiegnitz, Albsheim/Grünstadt zu vergeben.

Das Restaurierungs-Konzept beinhaltet folgende Schwerpunkte:

->Restaurierung des Original-Silbermann-Bestands und Rekonstruktion der verloren gegangenen Bestandteile streng nach Silbermannschem Vorbild

->Überarbeitung des Mühleisen-Bestandes und bruchstellenfreie Einbindung in den originalen Silbermann-Bestand

Im Einzelnen ergibt sich daraus das nachfolgende
Konzept zur Restaurierung und historischen Überarbeitung

-> Restaurierung des Hauptwerkes am historischen Bestand

Bei der Erweiterung im 19. Jahrhundert durch die Firma Merklin wurde das Hauptwerksgehäuse hinten geöffnet und der Pfeifenbestand erweitert, das Pedal wurde versetzt und eine Balganlage (Windversorgung) entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack eingebaut. Beim Umbau der 60-er Jahre wurden im Detail viele Kompromisse eingegangen, die den historischen Bestand nur teilweise wiederspiegeln.

Bei der beabsichtigten historischen Überarbeitung soll das Hauptwerk streng nach dem Original wiederhergestellt werden. Basis hierfür ist unter anderem der zu 62 % noch erhaltene originale Pfeifenbestand sowie die originalen und sehr gut erhaltenen Windladen.

Zur historischen Aufarbeitung gehören dabei nicht nur die klingenden Teile. Auch die Mechanik und die Gehäuserückseite soll nach Silbermannschem Vorbild rekonstruiert werden.

-> Restaurierung und Zurückversetzung des Pedalwerkes

Das Pedalwerk, das ebenfalls zu 67 % einen historischen Pfeifenbestand (davon zwei Register zu 100 %) sowie die originale Windlade aufweist, soll an den historischen Platz (etwas tiefer und nur durch einen Stimmgang vom Hauptwerk getrennt) zurückversetzt werden.

-> Anpassung des Positivwerkes

Konzeptionell handelt es sich bei dem zweiten Manualwerk von Mühleisen um einen Nachbau der Disposition des Rückpositivs der Silbermannorgel von Marmoutier. Dieses soll der Überarbeitung des Hauptwerkes angepasst werden und seinen Platz oberhalb des Pedalwerkes hinter dem Hauptwerk finden.

-> Erneuerung der Windversorgung

Die im 19. Jahrhundert eingebaute Windversorgung hat noch nie zu einem wirklich befriedigenden Ergebnis geführt. Zum einen hat der Balg in der Meißenheimer Orgel zu wenig Platz und kann sich nicht zu seinem vollen Volumen ausdehnen. Zum zweiten passt die Windversorgung stilistisch nicht zur Barockorgel, sodass es mit der vorhandenen Windversorgung nicht möglich sein wird, die ursprüngliche Klangpracht der Orgel entfalten.

Andererseits ist der Balg in einem hervorragenden Gesamtzustand und daher grundsätzlich geeignet, eine Orgel der Romantik stilgerecht mit Spielwind zu versorgen. Um das denkmalpflegerische Spannungsverhältnis zwischen strenger Orientierung am historischen Silbermann-Bestand einerseits und Erhaltung des auch schon denkmalwürdigen romantischen Merklin-Balges andererseits zu lösen, zeichnet sich ab, dass der Merklin-Balg bei der Restaurierung der Merklin-Orgel in Tegernau stilgerecht Weiterverwendung finden kann.

In Meißenheim soll stattdessen stilgerecht eine Keilbalganlage nach historischem barockem Vorbild neu hergestellt und in die Orgel eingebaut werden.

-> Erneuerung der Mechanik

Bei der vorhandenen Traktur wurden in den 60-er Jahren einige Kompromisse gemacht. Nicht nur, dass Kunststoffwinkel verwendet wurden. Auch die Aufhängung der Traktur an den Tasten entspricht nicht dem Originalbestand. Durch die Verlegung von Pedalwerk und Positivwerk wäre darüber hinaus ohnehin eine umfangreiche Anpassung der Traktur erforderlich.

Sowohl die Tontraktur (Verbindung von den Tasten zu den Ventilen) als auch die Registertraktur (Züge zum Einschalten der Pfeifenreihen mit den unterschiedlichen Klangfarben) soll daher unter Verwendung sämtlicher Silbermannscher Originalteile (insbesondere der Wellenbretter) neu gebaut werden.

-> Gehäuse

Das das Gesamtbild der Meißenheimer Kirche prägende Hauptwerksgehäuse wird behutsam und unter Erhaltung der vorhandenen originalen Farbfassung gereinigt. Dabei werden die Eingriffe des 19. Jahrhunderts und der 60-er Jahre (Deckel und Rückwand) anhand originaler Vorlagen rückgängig gemacht.

-> Intonation

Nach Abschluss aller technischen Arbeiten ist vorgesehen, eine historische Stimmung anzulegen und der Meißenheimer Silbermannorgel damit wieder Glanz und Pracht zu verleihen. Dabei ist insbesondere vorgesehen, zur ursprünglichen Stimmtonhöhe von 415 Hz, die sich an vorhandenen Original-Pfeifen noch ablesen lässt, zurück zu kehren.

Für die Meißenheimer Kirchengemeinde als Nutzer des Instruments entsteht dadurch das Spannungsverhältnis, dass ein Zusammenspiel mit modernen Instrumenten (Posaunenchor, Solo-Instrumente, Orchester) nur noch sehr erschwert (Halbtontransposition, ungleichschwebende Stimmung) möglich sein wird. In der gottesdienstlichen und konzertanten Praxis kann dieses Spannungsverhältnis relativiert werden, indem das vorhandene Truhen-Positiv bei 440 Hz verbleibt und damit die entstehenden Einschränkungen beim Musizieren aufgefangen werden.

Kosten und Finanzierung

Das Angebot der Firma Schiegnitz beläuft sich auf brutto 288.768,97 €. Zusätzliche Kosten können anfallen durch die vorgeschlagene Öffnung des Fensters hinter der Orgel, durch unvorhergesehene Mehraufwendungen im Zuge der Projektumsetzung, durch eventuelle Auflagen der Denkmalschutzbehörden und durch die Anpassung des Truhen-Positivs auf 440 Hz. Insofern rechnet die Kirchengemeinde mit einem Gesamtaufwand von rd. 330.000 €.

Da die Meißenheimer Orgel als Instrument von nationaler Bedeutung eingestuft ist, erscheint es schlüssig, dass die Finanzierung ebenfalls zu wesentlichen Teilen aus überörtlichen Quellen erfolgt. Wir wollen uns um Zuschüsse bei der Bundesrepublik (Förderprogramm für Instrumente von nationaler Bedeutung), beim Land Baden-Württemberg (Denkmalmittel) und bei der Badischen Landeskirche (Förderung historischer Instrumente) bemühen.

Die Realisierbarkeit des Projektes hängt von der öffentlichen Förderung ab. Die Umsetzung wird für die Kirchengemeinde nur dann realisierbar sein, wenn der über Spenden zu erbringende Eigenanteil der Kirchengemeinde deutlich unter 100.000 € liegt.

Zeitplan
Abstimmung mit den Denkmalbehörden                                Ende 2020/ Anfang 2021 Entscheidung über die Förderanträge                                    Ende 1. Quartal 2021 Auftragsvergabe nach Zuschuss-Bewilligung, angestrebt           2. Quartal 2021
Ausführung der Arbeiten bis spätestens                                 ca. 2023 / 2024

Unsere Spendenkonten sind (Sie erhalten natürlich eine Spendenbescheinigung):
Volksbank Lahr
Kirchengemeinde Meißenheim
Konto: DE 51 6829 0000 0020 2039 27
Stichwort: Orgel

Sparkasse Offenburg/Ortenau
Kirchengemeinde Meißenheim
Konto: DE43 6645 0050 0004 9650 10
Stichwort: Orgel